Kerpen-Horrem, 04. Mai 2026 Das Energie-Kompetenz-Zentrum Rhein-Erft-Kreis (EkoZet) weist auf aktuelle Erkenntnisse zur wirtschaftlichen Bedeutung erneuerbarer Energien hin: Eine neue Studie, die zwischen 2024- und 2025 vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln Consult (IW Consult) im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz durchgeführt wurde, zeigt, dass der Ausbau von Wind- und Solarenergie nicht nur für den Klimaschutz relevant ist, sondern erhebliche Chancen für regionale Wertschöpfung und Beschäftigung bietet – mit weiter wachsender Dynamik bis 2033 und auch für Kommunen im Rheinischen Revier und darüber hinaus.
Deutliche wirtschaftliche Effekte schon heute – mit starkem Wachstumspotenzial
Im Jahr 2023 wurden durch Planung, Bau und Betrieb von Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien bundesweit rund 10 Milliarden Euro direkte Wertschöpfung generiert. Ein großer Teil davon – etwa 55 Prozent – kann grundsätzlich in den jeweiligen Regionen verbleiben.
Bis zum Jahr 2033 ist eine Verdopplung dieser Effekte auf rund 21 Milliarden Euro möglich. Auch die regional verbleibende Wertschöpfung steigt an und könnte auf über 10 Milliarden Euro jährlich wachsen. Parallel dazu entstehen bereits heute rund 51.000 direkte Arbeitsplätze, die sich bis 2033 auf über 100.000 Stellen erhöhen könnten.
Regionale Wertschöpfung: Mehr als nur Energieproduktion
Die wirtschaftlichen Effekte gehen weit über den reinen Anlagenbetrieb hinaus. Zu den wichtigsten Einnahmequellen vor Ort zählen Gewerbesteuern, Pachteinnahmen, Einkommen sowie Beteiligungsmodelle für Kommunen und Bürger*innen. Darüber hinaus entstehen indirekte und induzierte Effekte – etwa durch zusätzliche Aufträge für Handwerk, Dienstleistungen oder Zulieferbetriebe. Insgesamt summieren sich diese indirekte Effekte bereits heute auf rund 36,8 Milliarden Euro jährlich.
Zusätzliche Impulse für regionale Entwicklung
Die Studie zeigt anhand regionalökonomischer Analysen, dass Regionen mit einem starken Ausbau erneuerbarer Energien auch gesamtwirtschaftlich profitieren. So lassen sich in besonders aktiven Regionen bis zu 10 Prozent des Wirtschaftswachstums auf den Ausbau erneuerbarer Energien zurückführen. Auch kommunale Einnahmen steigen messbar, etwa durch Gewerbesteuern. Gleichzeitig zeigen sich positive Effekte auf Infrastruktur und Lebensqualität, beispielsweise bei Kinderbetreuung und Breitbandversorgung. Erneuerbare Energien sind hierbei zu einem positiven Standortfaktor für Unternehmen, insbesondere für energieintensive Betriebe, zu zählen.
Potenziale werden noch nicht vollständig genutzt
Trotz der positiven Entwicklung zeigt die Analyse auch deutliche Unterschiede zwischen Regionen. Ein wesentlicher Teil der möglichen Wertschöpfung fließt bislang noch ab – etwa dann, wenn Planung, Bau oder Betrieb nicht durch regionale Akteure erfolgen. Zudem werden vorhandene Instrumente, wie kommunale Beteiligungsmöglichkeiten oder die strategische Nutzung von Flächen, vielerorts noch nicht konsequent ausgeschöpft. Hier bestehen zusätzliche wirtschaftliche Chancen, insbesondere für strukturschwächere Regionen.
Erfolgsfaktoren aus der Praxis
Beispielkommunen zeigen, wie regionale Wertschöpfung gezielt gestärkt werden kann. Erfolgreiche Ansätze sind insbesondere:
- frühzeitige Einbindung von Bürger*innen
- finanzielle Beteiligungsmodelle
- eine aktive Rolle der Kommunen bei Planung und Flächenentwicklung
- enge Kooperation mit lokalen Akteuren
Dort, wo diese Faktoren zusammenkommen, entstehen nicht nur wirtschaftliche Vorteile, sondern auch eine höhere Akzeptanz für Projekte der Energiewende.
Handlungsempfehlungen für Politik und Umsetzung (Auszug)
Aus den Ergebnissen der Studie lassen sich zentrale Ansatzpunkte ableiten, um die regionale Wertschöpfung durch erneuerbare Energien weiter zu stärken. Die folgenden Punkte stellen einen Auszug dar:
- Beratung und Unterstützung ausbauen: Kommunen und regionale Akteure benötigen verlässliche Unterstützung, etwa durch gestärkte Energieagenturen sowie praxisnahe Leitlinien.
- Beteiligung vor Ort stärken: Finanzielle und strukturelle Beteiligungsmöglichkeiten für Kommunen und Bürger*innen sollten weiterentwickelt und vereinfacht werden.
- Rahmenbedingungen verbessern: Gesetzliche und regulatorische Hürden können reduziert werden, um Investitionen und Umsetzung vor Ort zu erleichtern.
- Strukturschwache Regionen gezielt unterstützen: Insbesondere dort können erneuerbare Energien wichtige wirtschaftliche Impulse setzen.
- Kommunale Gestaltungsspielräume erweitern: Kommunen sollten stärker in die Lage versetzt werden, Flächenentwicklung und Projekte aktiv mitzugestalten.
- Finanzielle Anreize setzen: Förderprogramme können zusätzliche Impulse für regionale Wertschöpfung und Beteiligung schaffen.
Einordnung des EkoZet
Das EkoZet unterstützt als unabhängige Bildungs- und Informationseinrichtung Bürger*innen, Kommunen und Fachakteure dabei, die Potenziale der Energiewende vor Ort besser zu verstehen und zu nutzen. Die aktuellen Studienergebnisse bestätigen die Erfahrungen aus der Praxis: Regionale Wertschöpfung entsteht dort, wo Wissen, Beteiligung und Umsetzung zusammenkommen.
Fazit
Erneuerbare Energien bieten konkrete wirtschaftliche Chancen für Regionen. Entscheidend ist, wie konsequent diese Potenziale genutzt und gestaltet werden.
Über die Studie:
Der Bericht „Stärkung der regionalen Wertschöpfung durch Erneuerbare Energien“ wurde in der 20. Legislaturperiode durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz beauftragt (Redaktionsschluss: Juli 2025). Er kombiniert quantitative Modellierungen für alle rund 400 Landkreise mit qualitativen Analysen erfolgreicher Praxisbeispiele.
Quelle:
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie / IÖW / IW Consult (2026): Stärkung der regionalen Wertschöpfung durch Erneuerbare Energien, insbesondere Kurzfassung S. 1–13.